880 gelaufene Kilometer: Körperliche Veränderungen auf dem Appalachian-Trail

Ganze 3.500 Kilometer in einem fremden Land laufen – bei Regen, Schnee, Sonne oder Sturm. Darauf hat sich Stefan Ungerer, der Mann unserer Kollegin Chris, eingelassen. Im vergangenen Jahr tauschte er sein geregeltes (Arbeits-)leben gegen die ultimative Freiheit ein: Er brach auf, um den Appalachian-Trail zu bezwingen. Hier auf dem INTERSPORT Blog berichtet er über seine Erlebnisse. Diesmal: Mit welchen körperlichen Problemen er nach einem Viertel der Strecke zu kämpfen hatte…

Ich war sehr überrascht, als ich mit meinem voll bepackten Rucksack – ich hatte Lebensmittel für sieben Tage gekauft – von meiner Einkaufstour in Gatlinburg wieder an dem Parkplatz ankam. Dort war ich einen Tag zuvor bei Eiseskälte vom Appalachian-Trail ausgestiegen . Nun herrschte dort ein reges Treiben. Die Sonne schien und in null Komma nichts waren wir eine Gruppe von ungefähr zehn Leuten, die sich untereinander austauschten. Die einen wollten zurück auf den Trail – so wie ich – die anderen wollten in die Stadt zum Einkaufen. Doch jeder erzählte, wie kalt es noch nur einen Tag zuvor war: -18 Grad Celsius.

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Appalachian-Trail

110 Kilometer in drei Tagen

Ich beschloss noch zu Mittag zu essen und an diesem Tag nur fünf Kilometer weiter zu laufen: zur  Icewater Spring Shelter – wie passend. Mein nächstes Ziel war Hot Springs, eine der wohl der bekanntesten Städtchen auf dem Trail. 110 km lief ich ohne Probleme in drei Tagen. Ich wurde immer fitter und dünner.

Hot Springs war sehr klein: Auf der einen Straßenseite ein paar wenige Restaurants mit Barbetrieb, auf der anderen Seite ein Outdoor-Laden und ein paar Übernachtungsmöglichkeiten. Viel mehr gab es nicht. Eine Nacht blieb ich, aber die Aussicht auf ein gutes Abendessen und die Möglichkeit, am nächsten Morgen meine Vorräte aufzufüllen, zog mich in die nächste Stadt. So vergingen die Tage. Ich kam durch Erwin TN, Roan Mountain, TN und durch Hampton, TN.

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Zerschundene Füße und Gewichtsverlust

In Hampton wollte ich für eine Nacht in ein Hostel, da meine Kleider nass und die restlichen Sachen klamm waren. Ich entschied mich für das Boots Off Hostel, das mir ein entgegenkommender Wanderer mit seinem Sohn empfohlen hatte. Das Hostel hatte so viel Flair: alles war aufeinander abgestimmt, sehr rustikal mit Duschhäuschen, Frühstücksraum, großartigen Sitzgelegenheiten im Freien und total verrückten Gästen, die ausnahmslos alle Wanderer waren. Es war schön sonnig mit ca. 25 Grad Celsius.

So wurden aus einem Tag drei. Diese nutzte ich, um meine Ausrüstung in Ordnung zu bringen und mich ganz besonders um meine sehr zerschundenen Füße zu kümmern und diese ausgiebig zu pflegen. Blasen wechselten sich an verschiedenen Stellen ab und ein paar Fußnägel hatten sich auch schon verabschiedet.

Doch mehr Gedanken machte ich mir über meinen Gewichtsverlust. Viele wären froh über ein solches Problem – mir bereitete es allerdings noch mehr Sorgen als meine Füße. Knapp fünfzehn Kilo hatte ich nach 700 km Fußmarsch verloren. Das war gar nicht gut, auch wenn es mich nicht wunderte. Der Weg war die letzten Tage nicht mehr so anspruchsvoll und dreißig bis vierzig Kilometer am Tag waren normal geworden und so auch ein Wandertag von zehn Stunden. Ich wusste mir nur nicht ganz weiterzuhelfen, außer noch größere Unmengen an Nüssen und Süßigkeiten zu essen als ich ohnehin schon in mich hineinstopfte.

Wieder auf dem Trail und mit den Gedanken schon 200 km weiter, stand ich vor einem Schild: Waldgrenze Tennessee – Virginia, Stadt Damaskus in 3 Meilen.

Appalachian-Trail

Ein Viertel ist geschafft: 880 gelaufene Kilometer

Also ab nach Damaskus in Virginia. In Damaskus findet jedes Jahr Mitte/Ende Mai das größte Festival des Appalachen-Trails statt. Dort werden jährlich tausende Wanderer erwartet. Ich bin 10 Tage zu früh und so lange will und kann ich nicht warten. Nach zwei Nächten in einem Bett und ausgiebigen Duschen mit warmem Wasser machte ich mich auf nach Atkins. Nur 16 km weiter strandete ich in einem Hostel, dem Quarter Way Inuartern. Wie es der Name schon sagte: Ein Viertel des Appalachen-Trails hatte ich nun hinter mir. Ich bin überglücklich, 880 km gelaufen und endlich in meinem vierten Staat Virginia unterwegs zu sein.

Das Hostel unterschied sich von allen anderen, die ich bis jetzt gesehen hatte. Es war sowohl innen und außen sehr gepflegt, sauber und geräumig und es war auch komplett belegt. Da es regnete, hielt ich mich noch ein bisschen im Hostel auf. So ein Pech aber auch… Doch dann sagte die Hausherrin, ein Bett sei gerade noch frei geworden. Ich war überglücklich, nicht in den Regen raus zu müssen und vor allen Dingen den Wäscheservice nutzen zu können.

McKINLEY

Ein Tag im McKinley-Zelt

Am nächsten Tag musste ich dann leider trotz Regen das Hostel verlassen, da alles reserviert war. So lief ich morgens im Regen los. Es hatte nicht den Anschein, als ob es irgendwann nochmal aufhören würde. Als ich nachts in meinem Zelt lag, wurde es auch noch sehr windig. Es regnete weiterhin in Strömen. Beim Aufwachen das gleiche Szenario: starker Regen und Wind. So beschloss ich den Tag in meinem trockenen Zelt zu verbringen.

Ich freute mich über mein McKINLEY-Zelt, das ich bereits vor Anbruch meiner Wanderung ausgesucht hatte, genauso wie über meinen McKINLEY Trekker Komfort Schlafsack. Um diese Ausstattung und den Platz, den ich im Zelt hatte, wurde ich häufig beneidet.

Am nächsten Morgen hielt ich es dennoch nicht mehr im Zelt aus und machte mich weiter auf den Weg nach Pearisburg Virgina. Nach drei Tagen durch den Schlamm kam ich dort bei 1020 km vollkommen erschöpft und mit großen Knieproblemen an, sodass klar war, dass ich erst mal eine Pause brauchte. Alles musste getrocknet und gewaschen werden. Also erst mal sauber machen und essen … viel essen.

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Melanie Melzer
Melanie ist Content Managerin in der INTERSPORT Digital Unit. Ihre große Leidenschaft ist es, die Welt zu bereisen. Genau das hat sie auch 2 Jahre lang getan. Über ihre Erlebnisse berichtet sie auf ihrem Blog "travel2eat.de".