Behind the Scenes mit Felix Neureuther: Skirennfahrer werden im Sommer gemacht

“Servus, ich bin der Felix”. Strahlend und mit einem angenehmen Händedruck begrüßt mich Skirennprofi Felix Neureuther am Abend in Saas Fee. Dabei ist er schon seit 4 Uhr morgens wach, hat Trainingsläufe auf über 3.500 Meter Höhe und einen Tag voller Fitness und Physio hinter sich. Trotzdem nimmt er sich viel Zeit und trinkt sogar ein Gläschen Wein mit uns. Er ist in Plauderlaune. Ganz entspannt sitzt er da in seinem grauen Jogginganzug und grünen Adiletten, die er von seiner Frau geschenkt bekommen hat und in die sein Name eingraviert ist. Mehr über diese Adiletten erfährst du in unseren Insta-Story-Highlights.

Felix Neureuther ist unser INTERSPORT-Wintergesicht. Wir arbeiten schon seit der Saison 2013/2014 mit ihm zusammen und für die nächste Skisaison sind neben dem Felix Neureuther Schulcamp einige Videos mit dem Profi geplant. Genau die wollen wir mitten im Hochsommer in der Schweiz drehen. Ein Drehtag war ausgemacht, am Ende durften wir Felix an zwei Tagen immer wieder begleiten – und dazu viele spannende Einblicke in den Trainingsalltag eines Skirenn-Stars gewinnen, der bodenständiger nicht sein könnte.

Skifahren im Hochsommer? Ja, das geht! Und zwar besonders gut im Schweizer Saastal, das umrahmt wird von 18 Viertausendern! 61 Skiteams aus der ganzen Welt trainieren Mitte August dort. Sicherheitsmann Sascha erzählt mir auf dem Gletscher, dass er zusammen mit Felix um 5 Uhr morgen auf den über 3.500 Meter hohen Berg fährt und dann die 55 Pisten an die jeweiligen Skifahrer verteilt. Sascha ist auch für die Sicherheit auf dem Berg zuständig. Er muss seine Augen offen halten. Es passiert leider fast täglich etwas auf dem Berg. Vor allem Knochenbrüche. Trotzdem ist Skifahren kein gefährlicher Sport. Es ist statistisch gesehen sogar viel ungefährlicher als jeder andere Sport. Damit dir nichts passiert, solltest du natürlich immer dein Umfeld im Auge behalten, einen Helm tragen und konzentriert fahren. Erst danach gibt’s Après Ski. Da macht übrigens auch Felix gerne mit. Textsicher ist er auf jeden Fall, wie er mir mit einem dicken Grinsen im Gesicht erzählt.

Diese Entspanntheit, die Felix an den Tag legt, würde sicherlich auch dem Skirenn-Nachwuchs guttun. Die Jüngsten auf dem Berg sind gerade mal zehn Jahre alt. Felix erzählt uns, dass ihn oft Eltern fragen, welche Tipps er für ihre angehenden Skiprofis hat. Seine Antwort überrascht: “Lasst eure Kinder doch Kinder sein und den Sommer genießen! Das Wetter ist so toll, da sollten sie nicht oben auf dem Gletscher trainieren müssen.” Der Spaß und die Leidenschaft an Bewegung steht für Felix an oberster Stelle. Deswegen will er seiner Tochter das Skifahren auch nur beibringen, wenn sie selbst Lust dazu hat.  

Das hat Felix Neureuther noch nie probiert

In Bewegung ist Felix eigentlich immer. Faul herumliegen – das macht er selbst im Urlaub nur höchst selten. So eine Trainingswoche ist aber besonders hart für ihn. Da fängt der Tag um 4 Uhr morgens an. Gerne steht der Profi nicht so früh auf. Vor allem, weil er auch nicht besonders gut einschlafen kann, wenn er nicht in seiner Heimat Garmisch-Partenkirchen ist.

Aus dem Bett quält er sich natürlich trotzdem. Nach dem Aufstehen gibt’s dann allerdings keinen Kaffee, sondern Schwarztee. Und Müsli. Er braucht schließlich Energie für den (langen) Tag. Kaffee hat er im Übrigen noch nie probiert. “Da riechst du doch aus dem Mund so danach”, sagt er dazu mit einem Grinsen im Gesicht.

 

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“I love you too”

Dieses schelmische Grinsen sehen wir oft bei dem Skistar. Er lacht sehr viel, macht immer wieder Späße und geht auch mit seinen Fans ganz locker um. Nachdem er für uns Fragen in Selfie-Videos beantwortet hat, kommt eine junge Frau mit dem Satz “I love you” auf ihn zu und möchte ein Foto mit ihm machen. Daraufhin strahlt er sie an, sagt “I love you too” und schließt sie in seine Arme.

Seine lockere Art ist natürlich extrem hilfreich, wenn man mit ihm drehen und Aussagen natürlich rüberbringen möchte. Felix lässt alles geduldig über sich ergehen. Selbst, wenn wir sagen, dass die Sequenz gut war, dreht er den Part freiwillig noch einmal. Egal ob Fotos, Antworten an unsere Insta-Fans, Videodrehs direkt nach seinem Fitness-Training oder Handy-Selfies – Felix macht alles mit und hat auch immer die ein odere andere gute Geschichte parat.

Gletscherdreh – erster Versuch

Dabei lief es nicht so wie geplant: Am Montagmorgen haben mein Kollege Timo und ich die sechsstündige Fahrt nach Saas Fee angetreten. Direkt bis in den Ort kann man übrigens nicht mit dem Auto fahren, da Saas Fee autofrei ist. Wir haben unser Auto in einem Parkhaus am Ortseingang abgestellt und wurden dann mit einem Elektroauto vom Hotel abgeholt. Diese (um die 60.000 Euro teuren) Elektroautos dürfen aber nur diejenigen kaufen, die einen Betrieb führen. Alle anderen bewegen sich zu Fuß oder mit dem Fahrrad durch den kleinen Ort.

Am Dienstagmorgen klingelt unser Wecker um 5 Uhr morgens. Aufstehen, frühstücken mit den schwedischen Skiprofis am Nebentisch (u.a. Frida Hansdotter und Anna Swenn-Larsson), Skisachen anziehen und los geht’s. Voll bepackt mit Kamera-Equipment, Ski-Ausrüstung für uns und für Felix laufen wir zur Gondel. An diesem Morgen fahren wir allerdings nur bis zur ersten Station. Dort kommt uns Felix mit einem Kopfschütteln entgegen: “Heute können wir leider nicht Skifahren. Weil es am Abend zuvor und die ganze Nacht über bedeckt war, ist es auf dem Berg zu warm und die Bedingungen sind daher zu schlecht.”

Also fahren wir alle zusammen wieder runter. Und nun? Felix gibt uns einen Überblick über seinen weiteren Tagesverlauf: Fitnesstraining steht als nächstes an. Dabei dürfen wir ihn filmen, fotografieren und sogar mitmachen. Wer jetzt an ein Promi-Fitnessstudio denkt, liegt ganz falsch. Die Trainingsfläche wird neben seinem Hotel auf einer Mini-Terrasse aufgebaut. Eine Matte, ein Theraband, eine Kettlebell, ein Powertube, eine Langhantel, eine Poolnudel (!) und ein Medizinball – das war’s. Der Trainer erklärt kurz die Übungen, Felix und seine zwei Skifahrer-Kollegen Dominik Stehle und Sebastian Holzmann machen alles gewissenhaft nach. So einfach geht das.

Felix im Skiraum mit seinem “Schatz”

Am Nachmittag steht noch Physio für Felix auf dem Programm. Weil er sich im vergangenen Jahr beim Training das Kreuzband gerissen hatte. Dem Knie scheint es aber gut zu gehen. Mountainbiken geht Felix dann auch noch. Laufen ist für Skifahrer nicht so geeignet, da es die Gelenke zu sehr beansprucht. Deshalb trainieren sie ihre Kondition und Konzentration auf dem Rad.

Außerdem drehen wir noch im Skiraum mit seinem “Schatz”, seinem “besten Mann”, seinem Servicemann Roli. Ohne diesen Mann könnte Felix gar nicht auf die Piste. Denn der Profi besitzt selber kein einziges Paar Ski. Wobei die Profis nicht in Paar denken, sondern in einzelnen Skiern, an denen die Servicemänner dann herumtüfteln und sie optimieren. Um Felix’ Skier kümmert sich liebevoll Roli – und das schon seit 2011. Solange steht Felix übrigens auch schon bei der italienischen Ski-Marke Nordica unter Vertrag.

Felix bekommt die Ski dann also frisch gewachst von Roli und gibt sie nach dem Training auch wieder an ihn zurück. Wenn er privat mal Skifahren geht, dann leiht er sich Ski von seinem Papa und Manager Christian Neureuther aus.

Privat ganz normal Skifahren – das liegt vielen Profi-Skirennfahren übrigens gar nicht. Weil sie von klein auf immer nur Rennen fahren und nie Freizeitskifahrer waren. Bei Felix ist das anders. Er ist schließlich in den Bergen aufgewachsen und von klein auf leidenschaftlicher Skifahrer. Er hat sein Hobby wirklich zum Beruf gemacht. Wahrscheinlich ist es deswegen auch so leicht, mit ihm zu arbeiten. Am Ende bedankt er sich sogar bei jedem einzelnen von uns.

Zweiter Versuch: Kaiserwetter und die höchste U-Bahn der Welt

Weil wir am Dienstagmorgen keine Aufnahmen vom Riesenslalom-Training machen konnten, klingelt unser Wecker am Mittwoch wieder um 5 Uhr. Diesmal kommt uns Felix allerdings nicht an der ersten Station entgegen, sondern wir können in die zweite Gondel einsteigen und hochfahren. Dann steigen wir noch einmal um in die Metro Alpin, die höchste U-Bahn der Welt. Sie bringt uns in überraschend rasender Geschwindigkeit durch den 1.749 Meter langen Tunnel bis hoch zum Gletscher und zum höchsten Drehrestaurant der Welt auf 3.500 Meter. Dabei überwindet die Bahn eine Höhendifferenz von 476 Metern.

Von dort aus geht es dann auf Skiern weiter bis zum Startplatz von Felix. Während er mehrere Riesenslalom-Durchgänge macht, filmen wir ihn dabei. Profis wie er können so eine Slalom- oder Riesenslalom-Strecke an einem Renntag übrigens blind fahren. Sie gehen die Strecke mit ihrem Trainer durch und überlegen sich dabei genau, wie sie die einzelnen Tore anfahren müssen. Das lernen sie auswendig.

Danach machen wir noch ein paar Aufnahmen zu anderen Themen mit ihm. Nachdem wir fertig sind, schnappt sich auch schon das Team von dem österreichischen Sender Servus TV unseren Profi und befragt ihn zum Thema Klimawandel. Felix zeigt, wie viel Gletscher früher mal noch da war. Das ist ganz schön erschreckend.

Zusammen mit Felix und Servus TV fahren wir gegen Mittag wieder runter: Erst in der Bergbahn, dann in den zwei Gondeln. Für Felix geht das Trainingsprogramm jetzt weiter. Für uns heißt es: Zusammenpacken und sechs Stunden lang heimfahren. Mit im Gepäck haben wir zwei wunderbare, erlebnisreiche, super interessante und sehr lustige Tage mit Skistar Felix Neureuther.

 

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Melanie Melzer
Melanie ist Content Managerin in der INTERSPORT Digital Unit. Ihre große Leidenschaft ist es, die Welt zu bereisen. Genau das hat sie auch 2 Jahre lang getan. Über ihre Erlebnisse berichtet sie auf ihrem Blog "travel2eat.de".

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