“Die ersten 20 Minuten zählen”: Was du über Lawinen wissen musst

Wenn man in eine Lawine gerät, hat man dann überhaupt Chancen, aus dieser wieder lebendig herauszukommen? Und kann man sich schon im Vorfeld schützen, um erst gar nicht in eine Lawine zu kommen? Das wollten wir von Matthias Bader wissen, der SAAC-Bergführer ist. SAAC steht für “Snow & Alpine Awareness Camps”. Die gibt es schon seit 1998. Die Idee der kostenlosen Lawinencamps ist es, Snowboardern und Skifahrern zu vermitteln, dass Abfahrten abseits der Piste nicht nur Spaß machen, sondern auch richtig gefährlich werden können. Vor allem, wenn man die Gegebenheiten falsch einschätzt und so selbst eine Lawine auslöst.

Matthias Bader wollte schon als Kind Bergführer werden. Irgendwann verwirklichte er sich diesen Traum. Kurse bei SAAC leitet er nun schon seit 2013.

Durch den Trend Freeriden sind inzwischen recht viele Menschen abseits der Piste unterwegs. Matthias Bader versicherte uns aber, dass die Zahlen von Lawinenopfern trotzdem und glücklicherweise relativ gleich bleiben. Mit ein Grund dafür ist, dass sich wirklich viele Freeride-Fans mit dem Gelände und Sicherheitsvorkehrungen beschäftigen und Lawinencamps besuchen.

Was ist eine Lawine?

Wenn sich Schneemassen am Hang lösen und den Berg hinunterdonnern, dann spricht man von einer Lawine. Lawinen sind für Menschen sehr gefährlich und können bis zu 300 km/h schnell sein – weglaufen funktioniert da nicht!

Wie entsteht eine Lawine?

Es gibt verschiedene Punkte, die Einfluss auf die Entstehung einer Lawine haben. Sehr wichtig dabei ist der Mensch – circa 90% aller Lawinen, bei denen Personen verschüttet werden, werden von den Menschen selbst ausgelöst. Entscheidend sind zudem:

  • Niederschlag
  • Wind
  • Temperatur
  • Schneedecke
  • Gelände

Das Gelände muss mindestens 30 Grad steil sein, damit sich eine Lawine lösen kann. Neuschnee plus Wind bedeutet immer: Achtung, Lawinengefahr! Der Wind ist der Baumeister von gefährlichen Schneebrettern. Und: Je mehr Neuschnee, umso gefährlicher ist es. Weitere Infos dazu findest du auf der Seite des Schweizer Instituts für Schnee- und Lawinenforschung SLF.

Wie gefährlich ist eine Lawine?

Ein Lawinenabgang bedeutet immer Lebensgefahr. Etwa ein Drittel überlebt den Lawinenabgang nicht. Hat man Glück und lebt noch bei Stillstand der Lawine, hat man jedoch relativ gute Chancen das Ganze zu überstehen. Die ersten 15 bis 20 Minuten sind entscheidend. Nach einer halben Stunde sinken die Überlebenschancen drastisch. Deswegen ist die Rettung durch die unmittelbaren Begleiter (also deine Gruppe, mit der du unterwegs bist) so wichtig.

Wie gut schützt eine Lawinensicherheitsausrüstung?

Eine so genannte Lawinensicherheitsausrüstung besteht aus Schaufel, Lawinensonde und Lawinenverschütteten-Suchgerät (LVS-Gerät), manche Snowfans haben auch einen Rucksack mit Lawinen-Airbag dabei.

Matthias Bader dazu: “Die Bezeichnung Sicherheitsausrüstung ist falsch. Es ist eine Notfallausrüstung, ähnlich dem Airbag und Sicherheitsgurt beim Auto. Der beste Schutz ist, keine Lawine auszulösen. Passiert das trotzdem, brauche ich unbedingt die Notfallausrüstung, um eine Überlebenschance zu haben. Die Ausrüstung alleine reicht allerdings nicht.” Warum nicht? Ganz einfach: Man muss auch damit umgehen können! Daher sollte man unbedingt “immer wieder damit üben und einen Lawinenkurs besuchen”.

Sind auch heute noch Lawinenhunde im Einsatz?

Ja, Lawinenhunde sind immer noch im Einsatz, vor allem wenn der/die Verschüttete keine Notfallausrüstung (LVS-Gerät, Schaufel, Sonde) mit sich führt. Allerdings dauert es sehr lange, bis die Hunde am Einsatzort sind, daher
sind die Überlebenschancen ohne LVS-Gerät sehr gering.

Diese merkwürdig veraltet wirkende “Stocherstange” ist noch immer unersetzlich?
Ja. Für die Punktortung ist die Sonde unbedingt notwendig, sonst hat man beim Schaufeln keine Chance.

Was ist die am häufigsten gestellte Frage in Lawinenkursen?
Matthias Bader: “Warst du schon mal in einer Lawine?”. Gott sei Dank nicht!!!

Der Überlebenstipp, falls du in eine Lawine gerätst?

Kämpfen, kämpfen, kämpfen, damit du an der Oberfläche bleibst! Ein PDF mit wichtigen Tipps zur Vermeidung von Lawinen findest du hier.

Alles, was du für den Wintersport brauchst

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Melanie Melzer
Melanie ist Content Managerin in der INTERSPORT Digital Unit. Ihre große Leidenschaft ist es, die Welt zu bereisen. Genau das hat sie auch 2 Jahre lang getan. Über ihre Erlebnisse berichtet sie auf ihrem Blog "travel2eat.de".

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