Ein Mann auf dem Appalachian-Trail: 3.500 km zu Fuß durch die USA

Wie kommt man nur auf so eine Idee, fünfeinhalb Millionen Schritte, also 3.500 Kilometer, auf dem Rücken der Appalachen zu wandern? Stefan Ungerer, der Mann von unserer Kollegin Chris, hat genau das vor. Seit 2008 hat er diesen Traum, jetzt geht er endlich los. Seinen Job hat er dafür gekündigt, er rechnet bereits alles in Gramm um, weil Gewicht für ihn in den kommenden Monaten ein extrem wichtiger Faktor sein wird und gedanklich bereitet er sich gerade darauf vor, sich für ein halbes Jahr lang von seiner Familie – Frau, Hund und Kinder – zu verabschieden. Hier erklärt er dir, wie es zu dieser Entscheidung kam und nimmt dich in den kommenden Monaten mit auf seine abenteuerliche Reise.

Wenn man wie ich, aufgewachsen im Jagsttal, auf dem Land groß geworden ist und mit den Eltern schon immer im Odenwald und Schwarzwald zum Wandern oder auf Pilze oder Heidelbeeren unterwegs war, ist es kein Wunder, dass man früher oder später wieder in der Natur landet.

Für einen Hundehalter gilt das umso mehr. So waren meine Frau Christine, unsere Hundedame Chili und ich in den letzten zehn Jahren in Nordschweden, Norwegen, Korsika, Italien, Frankreich und natürlich in ganz Deutschland zum Wandern unterwegs. Ein besonderes Highlight war für mich unsere gemeinsame 14-tätige Tour auf dem Weitwanderweg “Panoramaweg” im Altmühltal. Mit Zelt und Rucksack wanderten wir von Gunzenhausen nach Kehlheim, es war unsere erste Mehrtagestour.

 

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Wandern

Mit 50 Jahren will ich’s nochmal wissen

Doch das reichte mir irgendwann nicht mehr. Ich wollte mehr. Als ich 2008 an einem verregneten Sonntag einen Film über den Appalachian-Trail gesehen habe, war ich sofort Feuer und Flamme. Seitdem habe ich viele Bücher über die Appalachen, mit mehr als 450 Millionen Jahren eines der ältesten Gebirge der Welt, und andere Fernwanderwege in den USA und der ganzen Welt gelesen. Je mehr ich mich damit beschäftige, desto größer wurde mein Wunsch – nein es wurde zu einem Herzenswunsch – den gesamten Appalachen-Trail zu gehen, und nur den.

Jetzt wo ich gerade mal 50 geworden bin, ist es meiner Ansicht nach auch Zeit für eine Zäsur. Wie soll es beruflich und privat mit mir weitergehen? Wie will ich mich persönlich als Mensch weiterentwickeln?

“Einfach nur essen, laufen, schlafen”

Wo sonst kann man so loslassen wie beim Wandern in der Wildnis der Appalachen? Wo sonst könnte man genug Ruhe und Zeit für eine vollständige Inventur von sich selbst finden?

Ohne Ablenkungen durch Lärm, Email, Fernsehen,Termine und Stressfaktoren einfach nur essen, laufen, schlafen. Die Einfachheit des Tagesablaufes, die Wiederholung des immer gleichen, lenkt die Aufmerksamkeit auf das Wesentliche. Mehrere Tage fernab der Zivilisation geht es schließlich nur noch darum, über deine Ressourcen Proviant, Kraft und Zeit zu verfügen und die Natur in sich aufzusaugen. Wie weit kann ich heute gehen? Schaffe ich es, mit dem auszukommen, was ich auf dem Rücken trage?

Ein halbes Jahr bei Wind und Wetter, Tag und Nacht draußen den Herausforderungen in der Natur zu begegnen und mich gegen Widerstände durch schwierige Phasen zu kämpfen, wird mir die Möglichkeit geben, mich selbst nochmals neu zu entdecken und über mich selbst hinauszuwachsen.

Ab März geht’s durch 14 US-Bundesstaaten, 8 Nationalwälder, 6 Nationalparks

Ist es also der sportliche Aspekt, der mich antreibt, die Liebe zur Natur, pure Abenteuerlust, oder bin ich einfach ganz und gar verrückt? Nun, ich gebe zu, es ist wohl eine Mischung aus allem. Die ersten drei Gründe treffen bei mir auf jeden Fall zu. Seit ich gemeinsam mit meiner Frau im Mai letzten Jahres den Entschluss gefasst habe, dass ich mich im März 2018 alleine auf den Weg machen werde, sechs mal die Strecke von München nach Berlin zu laufen, habe ich des Öfteren gehört: “Stefan, du bist ja verrückt!”

Nichtsdestotrotz: Am 20. März 2018 geht mein Flieger in die USA! Ich mache mich auf den Weg von Georgia nach Maine. Durch 14 Bundesstaaten, 8 Nationalwälder und 6 Nationalparks.

An diesem Punkt möchte ich mich vor allem bei meiner Frau bedanken, da sie meinen Traum mit jeder Art von Hilfe aus vollem Herzen unterstützt: Danke liebe Chris und danke liebe Kinder für euer Verständnis und danke für die großzügige Unterstützung der Firma INTERSPORT. Euch allen vielen herzlichen Dank.

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Stefan Ungerer

Stefan Ungerer

Stefan Ungerer, plus Fünfziger, ist gelernter Schreiner und Einrichtungsberater. Er liebt gutes Essen und in der Natur zu sein - ob beim Wandern oder beim Angeln.
  1. Karin Murdock says:

    Lieber Stefan, Dein blog ging nach 3 Episoden nicht weiter und wir alle hier in Dahlonega, die Dich kennen lernten, machten uns Sorgen um Dich. Lass uns doch wissen, wie es Dir geht. Dein Mut, wenn auch nur einen Teil des Trails zu wandern, ist hoch zu bewundern. Hoffe, es geht Dir gut und Du geniesst die Adventszeit daheim in Deutschland. Liebe Gruesse von Deinen Bekannten hier in Dahlonega, GA. Karin Murdock, etc.m War gestern bei Bratzeit fuer Nuernberger Wuerstchen und Sauerkraut und haben wieder von Dir gesprochen.

  2. Mike Wieland says:

    He Stefan,
    ich wünsche dir viel Spaß auf deinem Trip.
    Werde dich und deinen Blog mit Fernweh verfolgen ! Respekt !
    Gruß Mike

  3. Mike Wieland says:

    He Stefan ,
    ich wünsche dir viel Spaß auf deinem Trip.
    Werde dich und deinen Blog mit Fernweh verfolgen ! Respekt !
    Gruß Mike

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