Eisschnellläuferin Anni Friesinger im Interview

Manchmal haben wir das Glück, echte Sportstars bei unseren Ordermessen im redblue begrüßen zu dürfen. Im September war Anni Friesinger, Olympia-Siegerin und Weltmeisterin im Eisschnelllauf, bei uns zu Besuch. Wir haben die Gelegenheit genutzt, um die ehemalige Profisportlerin nach ihrer Karriere, sportlichen Herausforderungen und neuen Geschäftsideen zu fragen.

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Anni, du kommst aus einer Familie, in der alle Mitglieder professionelle Eisschnellläufer waren. Wann stand für dich fest, dass Eisschnelllauf auch dein Sport ist?

Anni: Eisschnelllauf gehörte früher bei uns zum Schulsport. Ich erinnere mich noch gut daran, als ich in der zweiten Klasse bei einem Wettbewerb den zweiten Platz belegte. Ich wollte aber unbedingt den ersten schaffen. Danach war mein Kampfgeist geweckt. Durch meine Eltern kam ich schnell in Kontakt zu meinen großen Idolen wie Eric Heiden und Bonnie Blair. Meine Faszination für den Sport wurde also sehr früh geweckt. Ich empfand es immer als großes Glück, dass ich mein Hobby zum Beruf machen konnte.

Was ist das Besondere beim Eisschnelllaufen für dich?

Anni: Ich muss zugeben, ich bin ein echter Speedjunkie. Und jemand, der die Schnelligkeit liebt, kommt beim Eisschnelllauf voll auf seine Kosten. Eisschnelllauf ist ein ganzheitlicher Sport und beansprucht den gesamten Körper. Genau deshalb ist das Training auch so abwechslungsreich. Sportarten wie Inlineskaten, Radfahren, Laufen oder Kraftausdauersport zahlen alle auf das Training für die Wettkämpfe ein. Es wird also nie langweilig.

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Du hast selbst zwei Töchter. Wünschst du dir, dass sie auch einmal in deine Fußstapfen als Profisportlerin treten?

Anni: Meine Kinder sind ein und vier Jahre alt. Das heißt sie probieren noch sehr viel aus. Das ist toll. Sie sollen herausfinden, worin sie gut sind und was ihnen Spaß macht. Mir ist wichtig, dass sie sich bewegen. Wenn sie dann selbst einmal den Wunsch haben, einen Sport professionell auszuüben, sage ich natürlich nicht nein. Ihnen steht aber die ganze Welt offen. Ich bin mir sicher, dass sie ihren Weg gehen werden, egal was sie machen.

Deine Karriere als Profi-Eisschnellläuferin hast du 2010 beendet. Wie suchst du heute noch sportliche Herausforderungen? Wäre zum Beispiel ein Marathon etwas für dich?

Anni: Ehrlich gesagt nein. Für einen Marathon würde mir auf jeden Fall die Ausdauer fehlen. Vom Wettkampfsport habe ich mich verabschiedet. Sport ist mittlerweile viel eher ein Ausgleich zum beruflichen Alltag für mich. Ich versuche immer noch zweimal die Woche Sport zu treiben, muss aber gestehen, dass ich eigentlich viel mehr machen müsste. Ich bin gerne mit meinen Kindern sportlich aktiv. Echte sportliche Herausforderungen suche ich aber nicht mehr.

Was war der größte Erfolg in deiner sportlichen Karriere?

Anni: Das war definitiv mein Olympia-Sieg 2002 in Salt Lake City. Das war ein hart erkämpftes Gold. Da ich nicht gerade mit Bestleistung in das Turnier gestartet bin, hatte niemand mit mir gerechnet. Umso größer war die Freude nach dem Sieg. Es ist ein unglaubliches Gefühl, wenn alle Träume auf einmal in Erfüllung gehen.

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Wie motiviert man sich über so viele Jahre, immer wieder ans Limit zu gehen?

Anni: Eisschnelllauf ist meine erste große Liebe. Ich habe diesen Sport mit viel Leidenschaft ausgeübt. Wenn mich einmal eine Verletzung vom Training abgehalten hat, hat mich das wahnsinnig geärgert. Ich war keine Sportlerin, die Antrieb brauchte. Die Motivation, mein Bestes zu geben, musste nie von mir selbst oder von jemand anderem erzwungen werden.

Bei den Olympischen Spielen und bei Meisterschaften hast du unzählige Medaillen gewonnen. Wo bewahrst du diese Preise heute auf?

Anni: In unserem Haus gibt es keine Wand, an der die Medaillen hängen oder Pokale aufgereiht stehen. Mir war schon früher wichtig, zu Hause Abstand zu den Wettkämpfen zu bekommen. Deshalb habe ich die Preise nie in mein Sichtfeld geräumt. Ich habe viele meiner Medaillen an Personen verschenkt, die mich während meiner Karriere begleitet haben. Zum Bespiel an meine Physiotherapeuten oder Trainer. Einige Preise sind in Museen ausgestellt oder wurden für gemeinnützige Zwecke versteigert.

Mit was beschäftigst du dich heute? Wie sieht ein normaler Tag bei dir aus?

Anni: Mein Fokus liegt heute auf meinem eigenen kids concept store „Small Heroes“. Wir haben bereits in Salzburg und im niederländischen Sneek eröffnet und arbeiten momentan an einem Webshop. In unseren Shops finden Kinder ganz individuelle Kleidung, Spielzeug und Sportprodukte.  Außerdem bin ich im Moment als Markenbotschafterin für K2 Inlineskates viel unterwegs.

Dann hast du sicher ein paar Tipps, worauf es beim Inlineskaten ankommt.

Anni: Inlineskaten ist ein Sport, der wahnsinnig viel Spaß macht. Wenn man morgens mit den Skates in die Arbeit fährt, hat man direkt einen freien Kopf und ist fit für den Tag. Das kann ich nur empfehlen. Absolutes Muss beim Skaten sind aber Helm und Protektoren – egal, ob man Anfänger ist oder Fortgeschrittener. Insbesondere Kinder müssen einen Helm tragen, damit sie im Straßenverkehr gesehen werden. Oftmals unterschätzen Autofahrer die Geschwindigkeit von Skatern. Deshalb ist es umso wichtiger, für höhere Aufmerksamkeit zu sorgen. Dafür gibt es tolle bunte Helme. Protektoren schützen Handgelenk, Knie und Ellenbogen. So müssen sich Kinder und Eltern nicht vor Stürzen fürchten.

Was meinst du, was ist leichter? Eislaufen oder Inlineskaten?

Anni: Das ist bei jedem unterschiedlich. Ein Vorteil vom Inlineskaten ist sicherlich, dass der Sport überall ausgeübt werden kann. Eishallen gibt es leider nicht in jeder Stadt. Das ist sicherlich auch ein Grund dafür, dass wir im Eisschnelllauf mittlerweile ein echtes Nachwuchsproblem haben. Deshalb hoffe ich, dass einige Kinder, denen Inlineskaten Spaß macht, irgendwann auch den Weg auf das Eis finden.

 

Bildquellen: K2 Sports Europe GmbH, Mirja Geh, INTERSPORT

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Mareike Schultz

Mareike Schultz

Mareike ist Referentin der Unternehmenskommunikation und versorgt die Presse jederzeit mit den wichtigsten News über die INTERSPORT. Ihr größter sportlicher Erfolg war ein Triathlon vor zwei Jahren. Die Story dazu könnt ihr hier im Blog nachlesen.
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