Mein Auslandssemester in Schweden: fünf unvergessliche Monate

Im Rahmen seines dualen Studiums im Bereich Betriebswirtschaftslehre-Handel mit der Vertiefung Warenwirtschaft und Logistik bei der INTERSPORT Deutschland eG, verbrachte Moritz Bartenbach sein viertes Theoriesemester im Ausland an der „University West“ (schwedisch: Högskolan Väst) in Trollhättan, Schweden:

Da war es also soweit, es geht los! Ich warte am Flughafen auf den Flieger, der mich nach Schweden, in meine Heimat für die nächsten fünf Monate bringen wird. Dort werde ich im Rahmen meines dualen Studiums an der DHBW Mosbach ein Auslandssemester an einer Universität in Schweden absolvieren. Ich bin aufgeregt und voller Vorfreude auf all die neuen Situationen, Erlebnisse und Erfahrungen, die auf mich warten.

Mein Name ist Moritz Bartenbach und seit neun Jahren arbeite ich in der INTERSPORT-Zentrale in Heilbronn. Vor zwei Jahren habe ich mit meinem Dualen Studium im Bereich Betriebswirtschaftslehre-Handel mit der Vertiefung Warenwirtschaft und Logistik begonnen.

Dabei absolviere ich meinen Praxisteil bei INTERSPORT, die Theorie findet an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Mosbach (DHBW) statt. Dazu zählen zum Beispiel Fächer wie Betriebswirtschaftslehre, Volkswirtschaftslehre, Supply Chain Management sowie das Profilfach Logistik. Vor allem durch diese Vertiefung bekomme ich einen detaillierten Einblick, welche Prozesse und Bausteine essentiell sind, um einen Logistikbereich in einem Unternehmen steuern zu können. Die theoretischen Grundlagen ergänzen sich somit perfekt mit der Einsatzplanung in der Praxis. Bei INTERSPORT darf ich einige Bereiche rund um die Supply Chain genauer kennenlernen und sammle somit wertvolle Erfahrungen, um den gesamten Warenfluss und die dazugehörigen Prozesse zu verstehen.

Wieso ein Auslandssemester in Schweden?

Auf einer Informationsveranstaltung der DHBW Mosbach habe ich erfahren, dass die Uni mit verschiedenen Partnerhochschulen auf der ganzen Welt kooperiert und dadurch die Möglichkeit eröffnet, ein Auslandssemester durchführen zu können. Zunächst hatte ich mich gar nicht mit dem Gedanken beschäftigt, dass das auch etwas für mich sein könnte. Um ehrlich zu sein, fehlte mir auch ein wenig der Mut. Das gute Zureden eines Kommilitonen hat mich dann aber doch angespornt, mein Glück mit einer Bewerbung zu versuchen.

Die Vorstellung, meine Englischkenntnisse zu verbessern, ein fremdes Land kennenzulernen und viele Studenten aus anderen Nationen zu begegnen, wurde immer attraktiver.

Mit dem Plan im Hinterkopf, bin ich direkt auf meine Ausbildungsleiterin bei INTERSPORT zugegangen, um zu klären, ob ein solcher Auslandsaufenthalt mit meinem Ausbildungsplan zu vereinbaren ist. Sie begegnete der Idee ganz offen und war sofort begeistert für die Chance, die sich mir bot, obwohl noch nie zuvor ein Auszubildender ein Auslandssemester gemacht hatte. Auch mein Notenschnitt passte, somit stand einer Bewerbung nichts im Wege. 

Nachdem ich mir die Liste der Partnerunis mit allen notwendigen Infos angeschaut und viele Erfahrungsberichte von Studenten gelesen hatte, fiel meine Wahl auf die „University West“ (schwedisch: Högskolan Väst) in Trollhättan, Schweden:

die moderne Ausstattung, die große Auswahl an möglichen Kursen, das ERASMUS-Stipendium und natürlich die wunderschönen Landschaftsbilder und die damit verbundenen Reiseziele in Schweden überzeugten mich. An der Uni sind ca. 11.000 Studenten immatrikuliert. Die Stadt Trollhättan liegt 75 km nördlich von Göteborg und hat ca. 45.000 Einwohner. Für Schweden ist es damit eine der größeren Städte. Im Volksmund wird gerne auch „Trollywood“ gesagt. Dies liegt vor allem am eigenen „Walk of Fame“ im Stadtzentrum.

Schau dir Trollhättan an

Die Vorbereitungen

Nachdem die genehmigten Vereinbarungen, sowohl von deutscher als auch von schwedischer Seite vorlagen, konnten die Vorbereitungen beginnen. Meine größte Sorge war, eine Unterkunft zu finden. Dabei erwies sich aber die Uni in Trollhättan als wahrer Glücksgriff, da die Organisation der Räumlichkeiten für Auslandsstudenten voll und ganz von der Universität übernommen wurde. Ich wurde in einem Studentenwohnheim untergebracht, in dem viele unterschiedliche Nationalitäten zusammen wohnten. Perfekt – für die Unterkunft war also gesorgt. Und so geht es los nach Schweden!

Studentenleben in Schweden: die ganze Welt an einem Ort

Bei der Ankunft ist es kalt und regnerisch. Es fühlt sich noch ein wenig so an, als wäre man auf dem Weg in einen Winterurlaub. Während des Bustransfers in die Stadt, knüpfe ich schnell die ersten Bekanntschaften, bis wir im Studentenwohnheim ankommen.

Der Großteil der internationalen Studenten ist gemeinsam in einem Studentenwohnheim untergebracht.

In den einzelnen Wohngemeinschaften sind wir bunt durchmischt. Die anderen Studenten kommen z.B. aus Spanien, Frankreich, Holland, Slowakei, Italien, China, Brasilien, Hongkong, Aserbaidschan, Türkei, Indien, Peru oder Uruguay. Englisch ist unsere Hauptverständigungssprache. Mein direkter Mitbewohner kommt aus Frankreich. Zu Beginn haben wir hier und da noch ein paar Stolpersteine in unserer Kommunikation. Doch wir lernen schnell dazu und entwickeln uns dadurch Tag für Tag weiter. Durch die kurzen Distanzen im Wohnheim bildet sich bereits innerhalb der ersten Wochen schnell eine große Gemeinschaft. Wir unternehmen viele verschiedene Aktivitäten zusammen und finden so rasch einiges über die unterschiedlichen Kulturen heraus. Dabei darf natürlich ein internationales Abendessen nicht fehlen, bei dem jede Nation eine ihrer Spezialitäten mitbringt.

Uni Schweden vs. Deutschland: Gibt es Unterschiede?

In Schweden besuche ich Kurse wie „International Economics“, „Quantitative Methodes“, aber auch den Kurs „Language, Culture and Communication in Sweden“. In diesem Kurs lernt man alles über die Kultur, Grundsätze sowie die Verhaltensweisen der Schweden. Zudem lerne ich ein wenig die Basis der schwedischen Sprache, was sehr hilfreich ist. Die Vorlesungen werden alle auf Englisch gehalten. Zu Beginn brauche ich etwas, um mich an diese neue Situation zu gewöhnen – häufig werden Fachwörter kurzerhand am Laptop übersetzt. Doch die Dozenten halten die Vorlesung in einem angenehmen Tempo, sodass ich mich schnell daran gewöhnen und gut folgen kann. Die Anzahl der Kommilitonen variiert je nach Inhalt der Vorlesung. Die Gruppe war jedoch oft überschaubar zwischen mindestens 15 und maximal 60 Personen im Auditorium. Dadurch ist die Präsentation und Kommunikation zwischen Professoren und Studenten fokussiert und zum Teil auch sehr individuell.

In meinem Fall bedeutet dies kaum einen Unterschied zur heimischen Hochschule.

Meine Auslandskommilitonen sind jedoch volle Hörsäle gewöhnt und haben diese, für sie neue, persönlichere Art von Vorlesung, sehr zu schätzen gelernt. Ein Teil der Kurse findet zusammen mit den einheimischen Studenten statt. Durch Gruppenarbeiten besteht ein guter Kontakt. Ich erlebe die Schweden als sehr freundlich und hilfsbereit, jedoch bereits in ihren Bekanntenkreisen fest verankert. Der Kontakt zu ihnen ist somit etwas begrenzt. 

Im Gegensatz zu einem Semester an der DHBW mit mindestens sieben Kursen, beinhaltet das Semester in Schweden maximal vier Kurse. Das Semester erstreckt sich zudem über 20 Wochen (DHBW: 12 Wochen). Alle Kurse werden seriell und nicht wie in Deutschland parallel abgehandelt. Somit ist für jeden Kurs eine fünfwöchige Vorlesungszeit (inkl. Prüfung) vorgesehen. Meistens sind die Vorlesungseinheiten in den ersten vier Wochen eingeplant, sodass in der letzten Woche die Prüfung geschrieben werden kann. Die Prüfungszeit beträgt hierbei fünf Stunden – dadurch ist die „Zeitdruck“-Situation etwas entspannter.

Das Informationsblatt der DHBW hat definitiv nicht zu viel versprochen. Die Universität West in Trollhättan ist sehr modern und bietet Studenten sowie Dozenten genügend Platz – sei es zum individuellen Lernen oder für Gruppenarbeiten. Auch die Vorlesungssäle und Räume sind groß und wirken dadurch sehr offen und einladend. Der Gebäudekomplex beinhaltet außerdem eine Bibliothek, eine Mensa, eine Art Café und einen Büchershop. Neben der hohen Menge an Sitzecken und Gruppentischen auf den großflächigen Gängen, stehen zudem extra einige Lern- und Computerräume zur Verfügung. Diese können mittels der Matrikelnummer ganz bequem per App eingebucht werden. Über die „University West – Card“ können die reservierten Räume dann ganz einfach aufgeschlossen werden – meiner Meinung nach ein geniales Feature.

Schweden: das Land mit unendlich vielen Naturschauspielen

Neben dem Studium darf während eines ERASMUS-Semesters natürlich auch das Erkunden des Landes nicht zu kurz kommen. Schweden hat vor allem für Outdoor-Fans (oder die, die es noch werden wollen) eine beachtliche Menge an Naturspektakeln zu bieten. Direkt in Trollhättan befindet sich eine Art Wasserfall mit einer sehenswerten Aussichtsplattform und einer schönen Felslandschaft. Also perfekt für Wanderungen sowohl im Sommer als auch in den verschneiten Wintermonaten.

Was in Schweden nicht fehlen darf, sind Elche. Ab und zu kann man das ein oder andere Tier in der freien Natur entdecken. Ebenso typisch für Skandinavien sind die kleinen Fischerdörfer. Jedes Dörfchen hat seine ganz eigene idyllische Art. Mir persönlich gefällt Smögen mit den schönen Farbhäuser sowie der großartigen Felsaussicht auf das Meer am besten.

Aber nicht nur die kultigen Dörfchen, sondern auch die größeren Städte Schwedens sind wunderschön anzuschauen. Göteborg überzeugt vor allem durch zwei wunderschön angelegte Parks und das hippe Altstadt Viertel Haga – bei einem Besuch ist die bekannte Riesenzimtschnecke ein Muss.

Besonders begeistert hat mich Stockholm. Hier gibt es unzählige kleine Gassen in der Altstadt, eine schöne Hafengegend mit tollem Blick auf die jeweiligen Stadtteile, großflächige Parkanlagen und das Barviertel „Södermalm“, das definitiv einen Besuch wert ist.

Lappland: eine atemberaubende Reise zum nördlichen Polarkreis

Mein persönliches Highlight war die Reise nach Lappland. Mit einer größeren Gruppe haben wir uns auf den Weg in Richtung Norden gemacht. Es war bitterkalt, deshalb war die Vorbereitung das A und O. Dank der hervorragenden Bedingungen waren wir mit Schneemobilen auf der Ostsee unterwegs, konnten Rehe in der Ferne über das gefrorene Meer laufen sehen und die Winterlandschaft genießen. Für eine kleine Aufwärmung sorgte dann immer eine traditionelle Fika-Pause (Fika = schwedisch für Kaffee trinken) mit Zimtschnecke und eine Tasse Kaffee oder Tee. Ich habe die Ausdauer der Huskys während der Schlittentour bewundert. Die Hunde sind mit ihrer Energie und Willenskraft kaum zu stoppen. 

Wir hatten Glück und konnten bei dem Trip nach Lappland die Nordlichter sehen.

Mit Einbruch der Dunkelheit und trotz eisiger Kälte sind wir losgezogen, um das außergewöhnliche Spektakel der Nordlichter zu sehen. Nach zwei erfolglosen Nächten des Wartens, konnten wir sie in der dritten Nacht direkt vor unserer Unterkunft sehen.

Allgemein ist mir bei all den Erlebnissen, sei es während dem Alltag, im Austausch mit Einheimischen oder auch auf Reisen aufgefallen, wie sehr die skandinavische Kultur in den Menschen lebt, wie bewusst die Bevölkerung die Natur liebt und respektiert.

Die Schweden sind sehr rücksichtsvoll, hilfsbereit und vor allem sehr ruhig und gelassen. Diese Charakterzüge haben ungemein dazu beigetragen, sich in der Ferne heimisch zu fühlen. Auch ich habe mich davon beeinflussen lassen und den ein oder anderen Grundsatz verändert. 

Mein Fazit: unbedingt empfehlenswert

Das Auslandsemester hat mich persönlich definitiv weitergebracht. Man ist auf sich allein gestellt und hat damit einhergehend ganz neue Herausforderungen. Somit lernt man gleichzeitig einige, meist allgegenwärtige Gegebenheiten deutlich mehr wertzuschätzen. Obendrein haben sich meine Englischkenntnisse deutlich verbessert. Mir fällt es jetzt leichter, mich im Alltag zu unterhalten. Das Semester in Schweden bedeutet für mich eine äußerst wichtige Etappe während meines Studiums. Ich bin froh, diese Entscheidung getroffen zu haben und dankbar für die Möglichkeit, die mir INTERSPORT gewährt hat. Ich durfte so viele unterschiedliche Studenten aus der ganzen Welt kennenlernen und mit ihnen eine einzigartige Zeit verbringen. Zu einigen meiner Kommilitonen halte ich weiter Kontakt. Die gemeinsamen Erlebnisse verbinden und halten unsere Gruppe immens beisammen. Ich werde definitiv bald zurückkehren, um Schweden weiter zu erkunden und die Freunde in Trollhättan zu besuchen. Bis dahin bleibt es mir zu sagen: hej då svergie, vi ses.

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Juliane Hoffmann

Juliane Hoffmann

Juliane ist Social Media & Content Managerin in der INTERSPORT Digital Unit. Sie liebt es, neue Orte und Menschen kennenzulernen und lebt ganz nach ihrem Motto: Du kriegst, was du gibst, wenn du tust was du liebst ♡
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