So fühlen sich nachts 6 Grad im Zelt an

Die erste richtig kalte Nacht steht an. Ich rüste vorher auf und besorge mir unterwegs eine Thermoskanne für Ingwertee – wärmt von innen – und eine Wärmflasche – wärmt von aussen. Dick eingepackt mit Thermosocken, Wollschuhen, Thermounterwäsche, Joggingshose, Softshelljacke und Wollpulli, sowie Mütze, ziehe ich den Reißverschluss des Schlafsacks bis über die Stirn zu, lege mich auf die Seite und versinke förmlich in einem Flausch aus kuscheliger Wärme.

Mir fallen die Augen zu und ich schlafe ein. Nachts – das hat schon Tradition – weckt mich ein tierischer Besucher.

Das Anrennen und Klopfen auf den Boden schreibe ich Kaninchen zu, ein rascheln und Piepsen ums Zelt herum klingt  kurz darauf verdächtig nach Maus. Ich checke die Temperatur der Wärmflasche: Noch alles gut. Es müssen einige Stunden gewesen sein, ehe ich erneut erwache. Dieses Mal allerdings nicht durch Geräusche, sondern tatsächlich durch die Kälte. Der Inhalt der Wärmflasche strahlt keine Wärme mehr ab und jetzt merke ich’s: Eine Kälte, die sich sowohl durch die Zeltwände als auch den Boden bis in meine Knochen frisst.

In meinen ganzen Kleiderschichten, gebettet auf Luftpolstermatte und in einem auf kalte Temperaturen ausgerichteten Schlafsack, ist es auf einer Skala von eins bis zehn momentan eine sechser Kälte. Also, da geht noch was. Doch es ist eben kalt genug, um aufzuwachen und Schwierigkeiten beim wieder Einschlafen zu haben.

So fühlen sich also 6 Grad nachts an.

Und während ich leicht dösig darüber sinniere, warum es keine Wärmflaschen gibt, die ihren Inhalt selbst wieder erhitzen, falle ich zurück in die dunkel-schummrige Schwerelosigkeit des Schlafs. Am nächsten Morgen wache ich sehr früh auf und mache mir direkt eine Wärmflasche, auf die ich meine Füße presse.

Ich checke das Wetter und gebe mich innerlich geschlagen: 4 Grad in den kommenden Nächten.

Vor und während meiner Tour wurde ich oft gefragt, wie lange ich unterwegs sein werde. Ich denke, dass mich das Wetter leider in die Knie zwingen wird.

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Vicky Wanka
Ich bin Vicky Wanka, 32 Jahre alt und seit knapp 10 Jahren Bloggerin. Meine Follower schätzen meine unkonventionelle Art und Weise, Dinge zu hinterfragen und neu anzugehen. So habe ich meine Festanstellung aufgegeben, um mein Hobby zum Beruf zu machen und studiere nun seit einem Jahr zusätzlich noch Politik. Durch Corona fielen meine Aufträge als Bloggerin weg. In der Krise habe ich die Chancen gesucht und gefunden: Ich habe mich gefragt, was ich nun tue, wenn sich mein beruflicher Weg nicht erholt? Und nun mache ich das, worauf ich schon lange Lust habe: Ich habe meine Wohnung gekündigt, meine Sachen verkauft, verschenkt und den Rest eingelagert und radle mit Zelt durch Deutschland.
Vicky Wanka

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