Review: Mammut Online Snow Safety Event

Am 19. Januar 2021 fand um 20:00 Uhr das Online Snow Safety Event von Mammut statt. Ziel des Workshops war es, über die Lawinengefahr aufzuklären. Es wurden Tourentipps gegeben und das Verhalten bei einer Verschüttung genau erläutert sowie über die Lawinensicherheitsausrüstung aufgeklärt. Diese sollte bei keiner Bergtour fehlen und immer schnell griffbereit positioniert und verstaut sein.  

Gerade zur aktuellen Zeit und Situation entsteht ein neues Interesse für das Skitourengehen. Um auch die Neulinge und Einsteiger über alle Gefahren des Ski-Tourings sowie über die Lawinensicherheit aufzuklären, lud Mammut zum Online Snow Safety Event ein. Durch diesen Workshop wurde die Verbindung zwischen Interessierten und zwei Experten hergestellt. Der Mammut Safety Experte Ilari Dammert sowie der Mammut Alpine School-Bergführer Markus Wey führten durch den sehr informativen und überaus interessanten, fast zwei-stündigen Workshop. 

Über 3.000 Zuschauer starteten an besagtem Dienstag das Live-Event auf YouTube und warteten gespannt vor ihrem Bildschirm. Nach kleinen technischen Startschwierigkeiten ging es los. Auf der Agenda standen Inhalte zur Lawinenkunde, der Umgang mit der Lawinensicherheitsausrüstung und allgemeine Tourentipps, um die Sicherheit in den Bergen und im Schnee zu erhöhen. 

Technischer Leiter der Mammut Alpine School, Markus Wey, ist seit fast 40 Jahren Berufsbergführer mit Lawinenspezialistenausbildung und bildet selbst Lawinenrettungshunde aus. 

Der Schweizer weiß genau, wann eine Lawinenproblematik besteht, kennt sich in der Tourenplanung bestens aus und weiß alles über den Schneedeckenaufbau. Seine jahrzehntelange Erfahrung hilft ihm, sofort eine Problematik zu erkennen und seine Tourenteilnehmer dadurch sicher durch den Schnee zu bringen. 

Im ersten Anschein locken das schöne Wetter, verschneite Berge und Sonnenschein viele auf den Berg. Doch die Gefahr der Lawine, einer Schneedecke, die weggleiten kann, bedeutet gleichzeitig auch Lebensgefahr. Jede Stelle muss selbst beurteilt werden. Auf die Lawinenproblematik kann man sich gut vorbereiten, doch es braucht auch sehr viel an Erfahrung. Neuschnee, Wind, Sonneneinstrahlung, Temperaturen, Steilheit, vorhergesagte Lawinenstufe – all diese Informationen sollten zur Beurteilung vorab betrachtet werden. 

Durch verschiedene Videos und Bilder veranschaulicht Markus Wey hier sehr gut, wie eine Problematik entsteht und wie sie vorab beurteilt und erkannt werden kann. Er schult die Zuschauer des Workshops damit, Situationen besser einschätzen zu können und die verschiedenen Problematiken zu verinnerlichen. 

Wie kann eine Lawine entstehen?

Lawinen entstehen, wenn bei der gesamten Schneeschicht noch kein optimaler Zusammenhalt besteht. 

Durch einen Temperaturanstieg, den Wechsel von Nacht zu Tag, könnesich sogenannte Becherkristalle bilden. Diese werden dann beispielsweise mit Neuschnee überdeckt. Es besteht jedoch keine Verbindung von Kristallen zu Neuschnee. Die Schneedecke festigt und setzt sich, doch durch die Wärme der Sonne wird die Stabilität wieder beeinträchtigt. Dadurch entsteht eine Lawine. Die Schneedecke gleitet dabei auf der Unterschicht weg. 

Dabei ist auch die Steilheit des Hangs sehr wichtig.

Bei einer Neigung zwischen 30- und 45-Grad könneSchneemassen von Wintersportlern ausgelöst werdenBei einer Steilheit über 45-Grad lösen sich Schneemassen bereits von allein aus, ohne menschliche Einflüsse. Alle flacheren Hänge, unter einer 30-Grad-Neigung, sind sicher. Hier werden keine Schneemassen ausgelöst. 

Typische Lawinenprobleme: Welche Elemente begünstigen einen Lawinenabgang?

  • Neuschnee 
  • Triebschnee: Die Kombination von Neuschnee, Pulverschnee und Wind kann sehr gefährlich sein. 
  • Altschneedecke: Sie entsteht und festigt sich durch beispielsweise Becherkristalle, die sich nicht mit dem Neuschnee verbinden. Die Schneedecke ist noch nicht gefestigt, weshalb sie auf dem Altschnee weggleitet. 
  • Nassschnee: durch Temperaturanstiege entsteht nasser Schnee 
  • Gleitschnee: Der Schnee gleitet auf dem Untergrund weg, da zwischen Boden und Schnee eine Gleitschicht, nasser Schnee, entstand. 

Durch die verschiedenen Lawinenstufen, kann die Gefahr besser beurteilt werden.

Die Lawinenskala beinhaltet 5 Stufen. Bereits Stufe 4 ist sehr gefährlich. Es sollte auf keinen Fall über eine 30-Grad-Steilheit gegangen werden. Denn steile Regionen sind hier die Falle bei Lawinengefahr. Schon bei Stufe 1 kann natürlich eine Lawine ausgelöst werden. Je nach Tageseinflüssen, bei Wind, schlechten Wettereinflüssen, Nebel, Schneetreiben kann alles nur sehr schlecht eingeschätzt werden. Hier bringt auch eine sehr gute Erfahrung nicht viel.  

“Der Mensch löst in 90% der Fälle die Schneedecke und somit die Lawine aus.”

Im Gelände selbst kann jeder Wintersportler dazu beitragen, je nach Situation, dass die Schneedecke so wenig wie möglich belastet wird. Der Ski- oder Snowboardfahrer stellt hier eine zusätzliche Belastung dar. Beim Aufstieg wird die Schneedecke beispielsweise mit dem 1-2-fachen Körpergewicht belastet. Kommt es zu einem Sturz, wird sie sogar mit dem 6-7-fachen Körpergewicht beansprucht. Hier heißt es, in der Gruppe Abstand halten und vorsichtig sein. Bei der Abstandseinhaltung von ca. 10-20m zwischen zwei Wintersportlern, kann die Schneedecke etwas entlastet werden. Bei zunehmender Steilheit, Abstand vergrößern. 

Wenig Schnee ist dabei gefährlicher als zu viel Schnee. Ist die Schneedecke nicht gut verfestigt, kann sie schnell weggleiten. Wenn der Boden, die Erde unter dem Schnee, herausschaut, ist es am gefährlichsten, da hier die Schneedecke schnell weggleiten kann. 

 

Durch viele Informationen und Einschätzungen vorab kann der Mensch ca. 90% der Beurteilung abdecken, 10% hat dabei noch die Natur in der Hand. Bei geringer Erfahrung oder einer schlechten Einschätzung liegt dieser Grad natürlich weit unter den 90%.  

Aber was mache ich, wenn die 10% eintreten, eine Lawine ausgelöst wird und es zu einer Verschüttung kommt?

Weiter ging es mit der Notfallausrüstung und wie man diese anwendet. Nur wenn man richtig vorbereitet ist, der Rucksack passend gepackt wurde und alles gut griffbereit ist, sind wir auch schnell, wenn es darauf ankommt. Denn bei einer Rettung hilft und zählt jede Sekunde. 

In einer Stresssituation vergisst man schnell, was eigentlich gelernt wurde. Notrufnummern sollten immer zugänglich sein und bestenfalls auswendig gelernt werden. Für europäische Länder ist dies die 112. 

In den ersten 18 Minuten fällt die Überlebenswahrscheinlichkeit eines Verschütteten bereits sehr massiv. Auch nach sofortiger Alarmierung ist der erste Helikopter meist erst nach 25 bis 30 Minuten vor Ort. Deshalb ist hier das Ziel: Den Verschütteten innerhalb der ersten 18 Minuten zu bergen. 

Als Head of Avalanche Safety ist Ilari Dammert für die Entwicklung aller Mammut-Snow-Safety-Produkte verantwortlich. Der begeisterte Bergsportler kennt sich in diesem Gebiet sehr gut aus und weiß, worauf es ankommt. 

Mit verschiedenen Hilfsmitteln, wie dem Lawinenverschüttetensuchgerät, einer Sonde und einer Schaufel, kann der Bergkamerad geborgen werden. Lawinenschnee ist dabei wie Cement. Mit den bloßen Händen ist eine Hilfe unmöglich.  

Aus verschiedenen Studien ist bekannt, dass Personen mit gutem Fitnesszustand für einen Meter Schnee ca. 6 Minuten benötigen. Die durchschnittliche Verschüttungstiefe in Europa beträgt zwischen einem und 1,5 Metern. Mit den drei genannten Hilfsmitteln, LVS-Gerät, Sonde und Schaufel, ist eine Bergung innerhalb von 15 Minuten möglich. 

Präventiv sollte zu jeder Touren-Ausrüstung ein Airbag gehören. Das Tragen eines Airbags reduziert die Lawinenverschüttung um die Hälfte. Mit sehr viel Glück kann der ausgelöste Airbag sogar bewirken, dass der Wintersportler oben auf der Lawine aufschwimmt. Die Verschüttungstiefe wird mit einem Airbag aber ganz sicher reduziert.  

Das Prinzip eines Lawinen-Airbags: große Partikel werden nach oben, Kleine nach unten gedrückt. Der Mensch mit ausgelöstem Airbag bekommt Auftrieb. Ein aufgeblasener Airbag fasst ca. +150L. Der Airbag sollte direkt nach dem Feststellen der Lawine ausgelöst werden. Durch einen Griff am Rucksack geschieht dies innerhalb von 3-4 Sekunden. Die Modelle von Mammut sind der Protection Airbag und der Removable Airbag. 

Zur allgemeinen Notfallausrüstung zählen außerdem:

  • LVS-Gerät, Sonde, Schaufel 
  • Helm und Lawinenairbag schützen dich 
  • Zusätzlich: Rettungsdecke, Apotheke, Kompass, KarteSeil, Handy für den Notfall 

 

Das Lawinenverschüttetensuchgerät (LVS-Gerät)

Das Mammut Barryvox S beinhaltet drei Antennen. Eine Antenne sendet permanent, sobald es eingeschaltet ist, mit sehr tiefen Frequenzwellen, welche den Schnee sehr gut durchdringen. Eine Antenne ist zum Senden, alle drei Antennen können jedoch empfangen. Das LVS-Gerät ist sehr einfach in der Handhabung, verlässlich und leistungsstark. Bildliche Darstellungen, Zeichen und Symbole helfen dem Helfer, sich auch in der Stresssituation der Lawine schnell an Gelerntes zu erinnern und die Hilfeleistung umzusetzen. 

Da es durch andere Geräte zu Störungen kommen kann, sollte das LVS-Gerät mindestens 20-50cm von anderen metallischen Gegenständen aufbewahrt werden. 

Die Lawinensonde

Sie sollte auch mit Handschuhen leicht bedienbar sein. Die orangenen Farbsegmente und Signale begleiten Mammut durch die gesamte Safety-Kollektion. Bei der Anwendung ist es außerdem wichtig, immer in einem 90-Grad-Winkel in die Schneedecke einzustechen. Wenn ein Treffer erfolgt, geht das Bergen mit der Schaufel weiter. 

Die Schaufel

Die Lawinenrettung mit der Schaufel braucht am längsten und ist am anstrengendsten. Die Schaufel sollte deshalb sehr stabil sein und eine gewisse Größe und Länge vorweisen können. Ein Teleskopstil mit einer Länge von 50cm ist hier von Vorteil. Im besten Fall kann die Schaufel auch in eine Hackposition umgewandelt werden, um große Schneemassen wegzuziehen. 

 

Um die Lawinenrettung so schnell wie möglich durchführen zu können, sollte der Rucksack richtig gepackt sein. Die Rettungsausrüstung muss schnellstmöglich herausgeholt werden können. Dies sollte am besten vorab zu Hause geübt werden. 

Nach dem sehr informativen und interessanten Workshop wurde eine kleine Fragerunde eröffnet. 

 

Fazit:  

Lawinen können unheimlich schnell ausgelöst werden. Deshalb ist es sehr wichtig, sich vor einer geplanten Bergtour zu informieren und gut vorzubereiten. Mit wenig Erfahrung ist es daher immer zu empfehlen, sich professionellen Bergführern und Bergtouren anzuschließen. Falls es dennoch zu einer Lawinenproblematik kommen sollte, ist die Notfallausrüstung das A und O. 

 

zur Mammut-Lawinensicherheitsausrüstung

zum Snow Safety Workshop-Video  

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Juliane Hoffmann

Juliane Hoffmann

Juliane ist Social Media & Content Managerin in der INTERSPORT Digital Unit. Sie liebt es, neue Orte und Menschen kennenzulernen und lebt ganz nach ihrem Motto: Du kriegst, was du gibst, wenn du tust was du liebst ♡