Vom inneren Kampf, im Training zu bleiben

Training am Morgen
MorgentrainingEs ist 6:45 Uhr. Ich bin zum Laufen mit meinem Kollegen Markus verabredet. 6:45 Uhr! Na wenn das mal nicht ein super Start in den Sommermorgen ist. Es geht los hinaus in die klare, frische Luft. Mir treibt es fast die Tränen in die Augen. Ich sehe verschwommen. Vielleicht ist aber auch nur noch etwas Schlaf drin. Eins weiß ich aber: Mein Körper denkt, ich will ihn veralbern. Markus läuft voraus, ich schnaufe hinterher. So recht auf Temperatur komme ich nicht. Zum Unterhalten habe ich ebenfalls wenig Lust bzw. Luft. Dafür erfahre ich von Markus, dass er regelmäßig morgens seine Runde dreht und dann fit in den Tag startet. Ich will ihm das gerne glauben, allein mir fehlt die Überzeugung. Nach rund fünf Kilometern Laufstrecke ist mein Körper wach. Jetzt ginge vielleicht tatsächlich noch ein bisschen mehr…2015-08-14 07.31.18

 

Training am Abend
Es hat 30 Grad. Und das um 20:00 Uhr. Sommerhitze pur. Egal. Ich laufe los zu meiner Abendtrainingvierten Trainingseinheit. 30 Grad! Schon nach den ersten paar hundert Metern in der immer noch sengenden Abendsonne schreit mein Körper mich an: Junge, was tust du hier? Diesmal ist kein Kollege dabei. Die Sonne steht erbarmungslos am Himmel. Ich bekomme Durst. Jetzt von Streckenabschnitt zu Streckenabschnitt denken: der Park, die lange Gerade bis zum Erdbeerhof, der kleine Anstieg hinauf zum Wendepunkt. Noch mehr Durst. Da vorne kommt das schattige kurze Waldstück, dann geht’s hinunter zum Ortseingang von Heilbronn, die letzten 800 Meter  im Schatten der Häuserzeilen. Unglaublicher Durst. Ich sehe die Zielgerade. Nach 7,3 Kilometern komme ich an. Wasser, bitte, schnell. Heute geht definitiv nichts mehr.

 

Auswärtstraining
AuswärtstrainingEs regnet leicht bei angenehmen 16 Grad. Bestes Läuferwetter. Ich bin in Uhldingen-Mühlhofen am Bodensee. Wir sind mit dem INTERSPORT-Team die nächsten Tage auf der OutDoor-Messe in Friedrichshafen. Kein Grund, das Training ausfallen zu lassen. Auf geht’s zu einer lockeren sechs Kilometer-Runde. Die ersten Meter weg vom Hotel führen mich gleich knackig einen Berg hinauf. Mein Körper kotzt gerade richtig ab, da bin ich mir sicher. Eben noch schön in der Hotellobby und dann das. Ich kämpfe mich über Pfützen, Regenwürmer und Schnecken hinweg den Waldweg entlang. Jetzt müsste es eigentlich mal rechts ab gehen … Moment mal: Den abgebrochenen Ast kenne ich doch und der wuchernden Brennnessel bin ich doch eben schon ausgewichen. Verdammt. Ich renne im Kreis. Abzweigung verpasst. Ich ärgere mich kurz und laufe dann bei der nächsten Weggabelung entgegengesetzt weg.

Verlaufen
Ein kurzer Blick auf die Laufuhr verrät mir, dass ich inzwischen 4,5 Kilometer unterwegs bin und keinen Schimmer habe, wo ich mich gerade befinde. Aber schön ist es hier. Echt idyllisch: Kühe blöken, Pferde grasen, Schafe und Ziegen meckern und ein Storchenpaar turtelt im Nest. Nur diese Schnecken nerven. Kracks. Eine weniger. Ich versuche, mich zu orientieren und entdecke einen Wegweiser. Noch vier Kilometer bis Uhldingen-Mühlhofen. Wird wohl nichts mit der lockeren kleinen Runde. Immerhin stimmt die Richtung. Nächster Wegweiser: noch 5,4 Kilometer, hallo? Meine Motivation nimmt rapide ab. Ich beschließe, mich an die Hauptstraße zu halten. Das Schild sagt: noch zwei Kilometer. Gut. Das sollte ich irgendwie schaffen. Ein Auto nach dem anderen überholt mich. Ich komme mir langsamer vor als die ganzen Schnecken hier auf dem Weg. Endlich kriechen Häuser in mein Blickfeld. Das muss „Uhldingenskirchen“ sein. Gott sei Dank. Ich trabe die letzten Meter zum Hotel – aus einer mir völlig unbekannten Richtung. Ein überraschter Kollege fängt mich vor dem Hotel ab. Irgendwie muss ich kalkweiß aussehen. Jedenfalls blickt er ziemlich besorgt. Alles gut, brauche nur mal einen großen Schluck Cola. Aus geplanten sechs sind fast elf Kilometer geworden. Für heute reicht‘s.IMG_0267

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Michael Steinhauser

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