Zelten im Herbst: Romantische Entschleunigung oder eine doofe Idee?

Später als gedacht startet das Abenteuer Zelten im Herbst. Ich freue mich auf meine Reise. Gleichzeitig habe ich großen Respekt vor den Herausforderungen, die mich erwarten: Wetter, Kälte, Nässe, Sicherheit, mit dem Nötigsten auszukommen und die Zeit alleine. Außerdem bin ich eine absolute Zelt-Anfängerin.

Ihr erahnt es schon. Es kann also nur eines werden: aufregend!

Einen Tag bevor es losgehen soll, checke ich das Wetter. Die letzten Wochen waren unfassbar schön, warm und sonnig. Ein Blick auf den Wetterbericht zeigt: Pünktlich zum Start meiner Tour verabschiedet sich der Spätsommer und die nächsten Tage werden regnerisch.

Ich lasse mir mit dem Startschuss deswegen noch Zeit, beobachte den Himmel, treffe in Ruhe letzte Vorkehrungen, um mögliche Regenschauer zu umgehen. Der vorhergesagte Wolkenbruch tritt nicht ein, es bleibt halb-sonnig und schön. Also, worauf warte ich, denke ich mir nach 1,5 Tagen aufmerksamer Wetterbeobachtung und radle endlich los!

Ich fahre an der Elbe entlang, Musik auf den Ohren, so habe ich mir die Freiheit auf dem Zweirad mit Zelt vorgestellt! Mit der City im Rücken lasse ich mich von einer Radfahrer-App über die Fahrradwege Hamburgs leiten. Keine 30 Minuten nach Start landet ein Tropfen auf meinem Handrücken. Das wird schon wieder… Auf den Tropfen folgt ein weiter und es entwickelt sich ein ausgewachsener Schauer.

Fast schon beschämt, dass ich sie in meinem naiven Optimismus gar nicht mitnehmen wollte, packe ich die Regensachen aus und ziehe sie über meine Kleidung.

Es regnet inzwischen wie aus Eimern und auch der Zeit-Schuh drückt. Anscheinend habe ich meine Sportlichkeit überschätzt. Während ich davon ausgegangen bin, 45 Minuten vor Schließung des Zeltplatzes anzukommen, ist es nun 4 Minuten davor und es sind noch gute 1,5 Kilometer zurückzulegen. Außer Atem und mit tropfenden Haaren treffe ich Punkt 19 Uhr ein, melde mich an und baue im letzten Licht das Zelt auf.

Die ausgewrungenen Sachen hängen an der Zeltdecke, ich habe heiß geduscht und lausche den Regentropfen. Kurz denke ich darüber nach, ob der Trip eine gute Idee war. Ich meine, was habe ich mir gedacht, ich bin blutige Anfängerin!? Ich war einmal als Kind auf einem Zeltplatz. Bis auf die Ameisenstraße, die sich einen Weg zu einem achtlos in die Ecke geworfenen Taschentuch gebahnt hatte, habe ich zwar keine schlechten Erinnerungen an diese Erfahrung. Doch es war Sommer in Spanien und ich war in einer Gruppe unterwegs. Nicht so wie jetzt alleine und zu Beginn der nasskalten Jahreszeit. Der Gedankenstrom verstummt und weicht der Müdigkeit, die mich schnell einschlafen lässt.

Die erste Nacht im Zelt verläuft trocken und sehr warm in meinem Schlafsack und auf der Luftmatratze. Zugegeben, ich muss mich an die intensive Geräuschkulisse um mich herum gewöhnen.

Nachts schrecke ich hoch, weil ein Schnüffeln mich aus dem Schlaf reißt. Träume ich?

Das suchend riechende Geräusch wandert um meine Bleibe und mein Herz schlägt mir pochend bis in den Hals. Noch komplett schlaftrunken kann mein Verstand mir nicht sagen, dass kein Tier mich ohne Grund angreifen und zerfleischen würde, sondern nur neugierig auf den neuen Nachbarn ist. Doch in dem Moment hat es sich angefühlt wie ein Alptraum, denn selbst nach „Kssschhht“-Geräuschen und dem Schlagen gegen die Zelt-Innenwand, kommt das atmende Etwas immer wieder näher. Ich atme tief ein, beruhige mich langsam. Es wird ein Igel sein, denke ich noch, bevor mir die Augen wieder zufallen.

Mein Fazit der ersten Fahrt und Nacht mit Rad und Zelt im Herbst: Es kann nass sein, die Sachen im Zelt trocknen durch die hohe Luftfeuchtigkeit schlecht. Kältetechnisch gut ausgerüstet zu sein, ist definitiv das A und O. Denn trotz nasser Kleidung, will ich warm bleiben. Holpriger Start hin oder her, es hat schon etwas romantisches, bei Regen im Zelt mit Lichterkette und dick eingemurmelt zu liegen, positiv erschöpft durch das Radeln den Geräuschen zu lauschen, und dieses aufgeregte Gefühl von Abenteuer in mir wirken zu lassen. Ich bin mir sicher, mit der Routine wird auch die Ängstlichkeit vor nächtlichen Tierbesuchern nachlassen. Und ich freue mich schon auf den Rest der Tour – hätte aber gegen ein paar trockene Tage mit Sonnenschein trotz guter Ausrüstung nichts einzuwenden :-)

I‘ll keep you updated!

 

The following two tabs change content below.
Vicky Wanka
Ich bin Vicky Wanka, 32 Jahre alt und seit knapp 10 Jahren Bloggerin. Meine Follower schätzen meine unkonventionelle Art und Weise, Dinge zu hinterfragen und neu anzugehen. So habe ich meine Festanstellung aufgegeben, um mein Hobby zum Beruf zu machen und studiere nun seit einem Jahr zusätzlich noch Politik. Durch Corona fielen meine Aufträge als Bloggerin weg. In der Krise habe ich die Chancen gesucht und gefunden: Ich habe mich gefragt, was ich nun tue, wenn sich mein beruflicher Weg nicht erholt? Und nun mache ich das, worauf ich schon lange Lust habe: Ich habe meine Wohnung gekündigt, meine Sachen verkauft, verschenkt und den Rest eingelagert und radle mit Zelt durch Deutschland.

Comments are closed.